Angewandte Grundlagen der Unterwasserfotografie

Taking wide angle pictures at Blue Corner, Palau
Barracudas at Blue Corner, Palau

Unterwasserfotografie wird immer beliebter und einer der Hauptgründe dafür ist die vergleichsweise niedrige Hürde an nötigen Fähigkeiten und finanziellem Aufwand. Dies wird noch verstärkt durch den momentanen Trend der Kameraindustrie günstige Kameras mit zum Teil sehr hoher Bildqualität zu produzieren. Doch wie kann es dann sein, dass einige Leute mit der selben Kamera fantastische Bilder schießen, während andere Frust schieben? Wenn Du eher zu denen gehörst die mit dem Standardkram aus dem Wasser steigen, ist dieser Artikel genau richtig für Dich!

Der Umfang dieses Artikels

Dieser Artikel möchte Anfängern in der Unterwasserfotografie unter die Arme greifen; Tauchern mit Kompaktkameras in Unterwassergehäusen und Kameras die bereits von Haus aus wasserfest sind. Dieser Artikel behandelt Kameras mit nach vorne ausgerichteten, eingebauten Blitzen, keine externen Blitze, und beschränkt sich auf rudimentäre Aspekte bei Komposition und Licht. Ziel ist die Verbesserung der Bildqualität von Fotografen mit den limitierten technischen Möglichkeiten ihrer Kompaktkameras. Tipps und Tricks zur Verwendung von externen Blitzen, Bildkomposition und Licht, sowie besseren Kameras und vielen anderen Themen der Unterwasserfotografie, werden Thema späterer Artikel. Schau einfach immer mal wieder rein, am besten Samstags.

This picture was taken with a compact camera and its internal front flash

Tipp #1: Bleibe innerhalb der Grenzen Deiner Kamera

Sich innerhalb der technischen Grenzen seiner Kamera zu bewegen, ist wahrscheinlich der beste Ratschlag, den ich jedem Anfänger der Unterwasserfotografie geben kann. Der Versuch diese Grenzen zu überschreiten endet in aller Regel mit langweiligen und flachen Bildern, die eh niemand sehen will. Zum Teil ist ein Überschreiten der Grenzen möglich, aber immer nur bei besonders vorteilhaften Bedingungen unterwasser, z.B. viel Sonne, flach, etc.

Der Hauptfaktor in der Unterwasserfotografie ist Licht. Neben den natürlichen Grenzen des uns zur Verfügung stehenden Lichts, gesellen sich noch technische Grenzen, welche komplett an der Kamera liegen: Maximale und minimale Blendenöffnung, die Länge des Objektives und die Stärke des Blitzes. Ein anderer sehr wichtiger Punkt in der Unterwasserfotografie ist der minimale Fokussierabstand. Doch zu allem später mehr.

Im Gegensatz zu den vorherrschenden natürlichen Bedingungen und den sich daraus ergebenden Limitierungen, lassen sich die technischen Grenzen mit besserem Equipment beheben. Dumm nur, dass besseres Equipment auch immer mehr kostet und das bei zum Teil nur marginären Verbesserungen. Daher beschränkt sich dieser Artikel auf Kompaktkameras mit ihren eingebauten Blitzen und den Möglichkeiten dieser Kombination. Aber lasst uns das Schritt für Schritt durchgehen.

Also this picture was taken with a compact camera with its internal flash, but additionally it relies on the ambient light to fill the background

Tipp #2: Entferne Dich nicht weiter als zirka 0,5m von Deinem Motiv

Unterwasser gibt es prinzipiell zwei Lichtquellen: natürliches Licht und künstliches Licht. Ob dieses Licht aber auch zur Verfügung steht, hängt maßgeblich von der Sicht Unterwasser ab; also der Menge an in der Wassersäule schwebenden Teilchen. Noch ein Aspekt, vielleicht sogar noch wichtiger, ist die Eigenschaft des Wassers Licht zu “verschlucken”, es zu absorbieren. Daraus resultiert der erste Grenzwert der Unterwasserfotografie, dem Abstand zwischen Kamera und Motiv.

Umso weiter Dein Motiv entfernt ist, umso weniger Licht und Farbe erreicht die Kamera.

Diese Grenze lässt sich direkt in eine maximale Durchschnittsdistanz zu Deinem Motiv übersetzen, welche bei ungefähr 1,5m liegt. Die Farbe die als erstes absorbiert wird, ist Rot. Rotes Licht, in Abhängigkeit zur Sichtweite, wird zwischen 0,5 und 4,5m vom Wasser verschluckt, woraus sich ein Mittelwert von zirka 3m ergibt. Ärgerlicherweise müssen wir diesen Wert noch halbieren, da wir nicht nur den Abstand zwischen dem Motiv und der Kamera bedenken müssen, sondern zusätzlich auch den der Lichtquelle zum Motiv. Nutzen wir also einen internen Blitz, verlässt das Licht die Kamera, erreicht das Motiv und wird erst dann zur Kamera zurück reflektiert; hin und wieder zurück. Fotografierst Du mit Hilfe des Sonnenlichts, wandert das Licht von der Oberfläche zum Motiv und dann zu uns. Wir können schlussfolgern:

Umso besser die Sichtweite, umso größer darf der Abstand zwischen Kamera und Motiv sein.

Leider bedeutet das jetzt nicht, dass Du alle Deine Bilder mit einem Abstand von bis zu 1,5m machen kannst. Denn falls Du nicht immer nur schnorchelst, bzw. Deine Fotos nicht auf Tiefen zwischen 2 bis 3m beschränkst, musst Du immer noch die Stärke Deines eingebauten Blitzes Miteinberechnen. Die Blitze von Kompaktkameras, bei gleichzeitiger Beachtung der Effekte natürlichen Streulichts und im Wasser befindlicher Schwebeteilchen, überbrücken Entfernungen von kaum mehr als einem halben Meter. Daraus ergibt sich eine sehr einfache Faustregel:

Falls Du Unterwasser den eingebauten Blitz Deiner Kompaktkamera verwendest, bleib in einer maximalen Entfernung von nicht mehr als einem halben Meter zu Deinem Motiv. Andersherum bedeutet dies auch, dass wenn Du nicht so nah an Dein Ziel heran kommst, den Blitz auszuschalten!

Im wesentlichen schalten wir den Blitz aus um sogenanntes “Backscatter” zu vermeiden (die Reflektionen von Schwebeteilchen), aber dazu später mehr.

Even this picture was taken with a compact camera but at maximum distance to still get the light of the flash on the Sweetlips

Tipp #3: Lass das Motiv Dein Bild füllen – geh nah ran!

Die meisten Anfänger in der Unterwasserfotografie feuern einfach wild drauf los und knipsen jeden Fisch und jede Koralle die ihnen vor die Linse kommt. Zurück an Land wissen sie zum Teil nicht warum sie dieses oder jenes Bild überhaupt gemacht haben, weil das eigentliche Motiv im Bild verloren geht. Dies ist wirklich schade, weil es vergleichsweise einfach ist, diesen Fehler zu vermeiden. Die Lösung: Nah ran gehen! Das klingt lächerlich leicht und ist es meistens auch. Ich bitte jedoch inständigst um Respekt vor dem zu fotografierenden Tier.

Umso kleiner das Motiv, umso näher muss und/oder sollte die Kamera ran gehen!

Dieser Abstand ist limitiert durch den minimalen Fokussierabstand unserer Kamera, also den Abstand den die Kamera mindestens benötigt um noch ein scharfes Bild schießen zu können. Wie groß dieser Abstand in Deiner Kamera ist, sollte in der Benutzeranleitung stehen. Als grober Richtungswert, kann man aber auch von einem Wert zwischen 5 und 10cm ausgehen. Im Zweifel einfach ausprobieren.

Sobald Du nah genug an das Motiv herangekommen bist, was an und für sich bereits eine Wissenschaft für sich ist, benutze das Display! Das klingt jetzt wirklich lächerlich, ich weiß, aber mit Blick auf die Bilder die mir so gezeigt werden… tja, da muss ich schon glauben, dass die Augen eher auf dem Fisch lagen.
Na egal, bis Du einmal in Reichweite Deines Motivs (zirka 0,5m, oder weniger), lass es Dein gesamtes Bild füllen. Pass aber auf, keine Flossen, Hände oder andere wichtigen Dinge abzuschneiden. Ist das Motiv zu groß, kannst Du auch bestimmte Teile ganz bewusst abschneiden und vielleicht nur ein Portrait schießen. Ist das Motiv zu klein, geh noch näher ran!

The sea urchin fills the entire frame, even goes beyond the limits and thus produces drama and the feeling of proximity

 Tipp #4: Nutze Deinen Blitz, aber bedenke die Schwebeteilchen (Backscatter)

Dies ist eine sehr einfache Regel. Jedes Motiv, das sich innerhalb eines halben Meters vor uns befindet, fotografieren wir mit Blitz, besonders auf Tiefen unter 5m. Dementsprechend schalten wir den Blitz aus, sobald der Abstand darüber hinaus geht. Behalten wir den Blitz bei größeren Abständen eingeschaltet, sind die Bilder voller Schwebeteilchen, ohne dass das eigentliche Motiv besser ausgeleuchtet wäre. Ein blaues, oder grünes Bild ohne Schwebeteilchen, ist dem blauen Bild eines Schneesturmes in jedem Fall vorzuziehen.
Wie nah Du an Dein Motiv heran kommst, hängt im wesentlichen von Deinem Objektiv ab. Umso weiter das Objektiv (kleine mm-Werte), umso näher kommst Du an Dein Motiv und kannst immer noch Deinen Blitz verwenden. Die Objektive von Kompaktkameras fangen in der Regel zwischen 20 bis 28mm an und reichen bis zwischen 50 und 70mm. Das obere Ende ist in der Unterwasserfotografie allerdings von geringem Interesse. Kaufe Deine Kamera entsprechend!

Über Backscatter

Backscatter ist ein englischer Ausdruck und beschreibt den in der Unterwasserfotografie bekannten Effekt des “Schneesturms”. Dieser Effekt entsteht durch in der Wassersäule schwebende Teilchen, die einen Teil des Blitzlichts zurück zur Kamera reflektieren. Diese Teilchen bestehen aus allem möglichen, Sand, Plankton, tot oder lebendig, im Grunde alles was Licht zurück auf die Kamera wirft. Kompaktkameras sind aufgrund der Position des eingebauten Blitzes besonders anfällig für diesen Effekt, da das Licht in gerader Linie zurück reflektiert wird. Das Resultat sind dann die berühmt berüchtigten Schneesturmbilder, auf welchen das eigentliche Motiv erfolgreich hinter lauter weißen Punkten versteckt liegt. Perfekt für Ratespiele. Die Lösung des Problems liegt in der Verwendung externer Blitze und Videolampen, aber dies ist ein anderes Thema und wird in einem seperaten Artikel behandelt.

The backscatter in this picture is mainly composed of living plankton attracted by a video torch right above

Tipp #5: Nicht zoomen!

In 99% meiner Bilder habe ich nicht gezoomt. Zoomen ist in der Unterwasserfotografie ein abolutes No-Go. Es mindert die Menge an verwertbarem Licht, welches in die Kamera gelangt und damit die Menge an Information aus der die Kamera das eigentliche Bild bastelt. Zusätzlich vergrößert man unnötigerweise die Entfernung zwischen Motiv und Kamera, und damit die Menge an Schwebeteilchen zwischen beiden (umso größer die Entfernung, umso mehr Wasser, umso mehr Schwebeteilchen). Die Lösung des Problems ist aber wieder ganz einfach, anstatt zu zoomen, geh einfach näher an Dein Motiv.
Allerdings gibt es eine gute und berechtigte Ausnahme für diese Regel, Zoomen in der Unterwasser Makrofotografie. In diesem besonderen Feld der Unterwasser Fotografie kann es passieren seinem Motiv zu nah zu kommen. Dann passiert es schnell, dass der Blitz Deiner Kamera das Bild überbelichtet, weil er für die geringe Entfernung schlichtweg zu stark ist. Dies führt dann zu großen, sehr hellen und zum Teil sogar gänzlich weißen Bereichen im Bild, die keinerlei Information mehr enthalten. Auch Photoshop hilft dann nicht mehr?!! Versuche diese weißen Bereiche zu vermeiden wo immer es nur geht. Ein zu dunkles Foto kann Photoshop immer noch aufhellen, aber weiß bleibt weiß.
Ein weiteres Problem mit sehr kurzen Entfernungen ist der Port des Gehäuses, also der Teil Deines Gehäuses der das Objektiv enthält. Weil der Blitz der Kamera meist direkt über diesem “Kasten” sitzt, wirft er dessen Schatten direkt ins Bild. Solche Bilder sind nur am oberen Rand richtig belichtet und zeigen Farbe. Die unteren Bereiche liegen im Schatten.
Für beide Probleme ist die Lösung simpel und nutzt, entgegen der allgemeinen Regel, die Zoomfunktion Deiner Kamera. Entferne Dich dazu einfach wieder ein wenig vom Motiv und zoome zurück in das Bild. Auf diese Weise verhinderst Du den Schatten und bekommst gleichzeitig einen schönes, weiches und gleichmäßig verteiltes Blitzlicht. Je nach Stärke des Blitzes und der Größe des Ports, empfehle ich eine Entfernung von um und bei 10 bis 20cm, aber am besten probierst Du das einfach aus. Jede Kamera ist etwas anders.
Ein Wort der Vorsicht: Nicht jede Kamera unterstützt Makrozoom (z.B. die Sony RX100 Mark I). Wenn Deine Kamera so ein Fall ist, hast Du nur noch eine Möglichkeit. Geh trotzdem weiter weg, aber zoome nicht zurück ins Bild. Deinen geplanten Bildschirmausschnitt erhältst Du immer noch in der Nachbearbeitung in Photoshop, Stichwort “crop Funktion”. Das ist nicht schön und bedeutet einen Informations- und Auflösungsverlust, aber es ist leider Deine einzige Wahl mit einem internen Blitz.

In this picture zooming in onto the subject did not only help to evenly distribute the flash light, but also to not scare the tube worm

Tipp #6: UW-Makrofotografie ist Dein bester Freund

Nur um das hier klar zu stellen, ich spreche an dieser Stelle nicht von echter Makrofotografie mit Abbildungsmaßstäben von 1:1 oder größer. In diesem Artikel benutze ich den Begriff Makro wie es im Alltag zwischen Tauchern verwendet wird, also dem fotografieren kleiner Objekte, wie Nacktschnecken und Garnelen. Die echte Makrofotografie erfordert spezielle Objektive, welche aber den Umfang dieses Artikels sprengen würden. Nichtsdestotrotz, bedeutet das Fotografieren kleiner Objekten den Beginn einer wunderbaren Fotokarriere mit Deiner Kompaktkamera. Kleine Tiere bewegen sich häufig sehr viel langsamer und geben dem Fotografen sehr viel Zeit für die Bildkomposition, die Bilder werden daher sehr viel besser, wirken somit motivierend und sind hervorragende Übungsobjekte. Auch die bereits weiter oben genannten Punkte spielen Dir in die Hände und unterstützen Deine Makroambitionen. Versuch es aus, es lohnt sich!

Especially nudibranches are very thankful subjects to take pictures - they don't move and feature spectacular colours and shapes

Tipp #7: Schieße Deine Bilder von unten nach oben und denk an den Hintergrund

Dies ist ein weiterer großartiger Ratschlag, den ich jedem Anfänger mit auf den Weg geben möchte. Schießt Eure Unterwasserbilder in einem Winkel nach oben, oder zumindest auf Augenhöhe. Bilder die von oben geschossen werden, werden häufig und aus gutem Grund als “Bomberbilder” bezeichnet. Bomberbilder sind schlichtweg langweilig! Der Grund dahinter ist einfach, die Perspektive ist im wesentlichen identisch mit der von Schnorchlern und Schwimmern, also dem was absolut jeder sehen kann. Ihnen fehlt so ziemlich alles was ein gutes Unterwasserbild ausmacht.

Ein weiterer Grund warum solche Bilder langweilig sind, ist ihr Hintergrund. Bilder von oben haben in aller Regel das Riff als Hintergrund. Dieser macht es häufig unmöglich das eigentliche Motiv und den Zweck des Bildes überhaupt zu erkennen. Wozu soll ein solches Bild dienen, wenn man seinen Inhalt nicht erkennen kann?!?
Auch hier ist die Lösung wieder recht einfach. Schieße Deine Bilder gegen einen monotonen Hintergrund. Unterwasser bietet sich dafür immer das Freiwasser an und funktioniert eigentlich immer, sobald Du von leicht unterhalb, oder auf Augenhöhe fotografierst. Ich bezeichne diese Technik gerne als das “Freistellen des Motivs gegen den Hintergrund”. Objekte auf solchen Bildern werden sofort vom Betrachter erkannt und ziehen seine Aufmerksamkeit auf sich. Bingo, Ziel erfüllt.

Nothing tops a stable position if you want to take sharp pictures

Tipp #8: Schieße scharfe Bilder

An diesem Punkt trennt sich die Spreu vom Weizen. Scharfe Bilder zu schießen ist ganz bestimmt nicht leicht, ganz besonders Unterwasser. Nichtsdestotrotz gibt es auch für dieses Problem eine vergleichsweise einfache Lösung, gute bis perfekte Tarierung! Tarierung ist hier fraglos die Ultima Ratio, aber eben nicht immer leicht. Alternativ, bietet sich auch die Möglichkeit sich an einer TOTEN Koralle festzuhalten. (Jetzt werden bestimmt wieder viele Leute schreien, aber lasst es mich erklären!)
Es ist nicht so, dass ich das wahllose Betatschen der Riffe und seiner Bewohner befürworte, das Gegenteil ist der Fall. Die Realität hat mich nur leider gelehrt, dass Menschen sehr viele Dinge tun die sie nicht tun sollten, nur um an ihr Ziel zu gelangen. Daher ist es mir als Tauchlehrer und Meeresbiologe 1000 mal lieber, wenn man Menschen beibringt eine tote Koralle zu erkennen und sich daran festzuhalten, als dass sie mit ihren Flossen durch das ganze Riff pflügen. Außerdem hat diese Technik den zusätzlichen Vorteil sich nach dem Foto vom Riff weg drücken zu können, bevor wieder mit den Flossen geschlagen wird. Also statt umdrehen und Flossen ins Riff hauen, erst Abstand gewinnen und dann umdrehen. Macht einen riesigen Unterschied.

Für das Fotografieren selbst noch folgender Tipp. Hast Du ein Motiv gefunden, suchst Du Dir danach einen Punkt rechts unterhalb davon. An diesem TOTEN Punkt hältst Du Dich mit der linken Hand fest und bietest damit Deiner rechten Hand mit der Kamera eine feste Ablagefläche ungefähr auf Höhe der Handgelenke, die Arme überkreuzen sich dabei. Weniger Bewegung, schärfere Bilder. Zusätzlich empfehle ich auch noch die Technik des Vorfokussierens. Diese Technik erkläre ich im 9. Tipp.

Tote Korallen

Tote Korallen lassen sich normalerweise leicht an den auf ihnen wachsenden Algen erkennen. Sie sehen dann vergleichsweise dreckig aus. Im Zweifelsfall bitte einfach den Divemaster, Instruktor oder Meeresbiologen Deines Vertrauens Dir den Unterschied zu zeigen. Kein Bild dieser Welt ist es wert dafür eine Koralle zu töten. Letztlich sind wir dort unten die Gäste, nicht andersherum.

Tipp #9: Probleme mit der Auslöseverzögerung und wie man sie löst

Die Verschlussverzögerung ist ein unter Kompaktkameras weit verbreitetes Problem, an Land wie im Wasser. Allerdings wird dieses Problem Unterwasser durch den Mangel an Licht noch größer, weil der Autofokus nicht mehr so schnell arbeitet. Allerdings ist dies eher auf Nachttauchgängen ein zusätzliches Problem. Das eigentliche Problem besteht auch tagsüber und kann im Prinzip nur mit einer besseren Kamera gelöst werden (Sonys RX100 Serie ist an dieser Stelle echt der Hammer!). Aber nicht verzagen, es gibt auch eine Lösung Eure Bilder zu verbessern die Euch keinen Pfennig kostet. Die Lösung heißt Vorfokussieren. Diese simple Technik bedeutet den Auslöser nur leicht hinab, bzw. halb zu drücken und in dieser Position zu halten, bevor ihr das eigentliche Bild macht. Somit erspart Ihr Eurer Kamera die Zeit die sie benötigt um sich scharf zu stellen. Was in einigen Modellen echt lange dauert. Erst sobald Dein Motiv in der richtigen Position angekommen ist und das Bild bereits scharf ist(!), drückst Du den Auslöser komplett durch. Kabuum, fertig ist das sorgfältig komponierte und scharfe Bild.
Diese Technik lässt sich in extrem vielen Momenten nutzen und wird Dein Bild eigentlich immer verbessern. Als sehr gutes Beispiel dient das Foto des Anemonenfisches am Anfang dieses Artikels. Dieser bewegte sich innerhalb seiner Anemone in einer sehr vorhersagbaren Bahn. Nach einer Weile des Beobachtens, bemerkte ich, dass er immer wieder für einen kurzen Moment in dem “Fenster” der Anemonententakeln anhielt, bevor er seine Bahn fortsetzte. Daraufhin positionierte ich mich und meine Kamera, fokussierte auf eine der Tentakeln des Fensters und drückte erst ab, als der Fisch in der perfekten Position inne hielt. Ich liebe dieses Bild bis heute und dabei habe ich es “nur” mit meiner alten, mittlerweile dreimal abgesoffenen, Olympus XZ-1 geschossen. Bestimmt eine gute Kompaktkamera, aber immer noch eine Kompakte.
Ein weiterer Trick in diesem Zusammenhang, ist das Vorfokussieren auf Deine Hand, anstelle des eigentlichen Motivs. Dafür hältst Du Deine Hand im selben Abstand wie das Motiv von Dir entfernt und schwingst erst dann zurück auf das Motiv. Das funktioniert nicht immer und überall, aber in Ermangelung anderer Objekte zum vorfokussieren, ist es besser als nichts. Probier es aus!

Das war’s für heute, aber keine Sorge. Dies ist nur der erste Artikel einer langen Serie die hoffentlich eines Tages alle Aspekte der Unterwasserfotografie abdeckt. Schaut einfach immer mal wieder vorbei. In der Regel veröffentliche ich meine Artikel samstags.

Darüberhinaus möchte ich Euch bitten Anmerkungen und Erweiterungen zu diesem Artikel in die Kommentare zu packen. Vielleicht habe ich ja noch etwas vergessen oder übersehen. Falls Euch der Artikel gefällt und Euch noch jemand einfällt dem er ebenfalls nutzen könnte, tut Ihr mir einen riesigen Gefallen, wenn Ihr ihn weiterleitet und teilt. Dies hilft mir und meinem Blog sehr. Vielen Dank.

8 Comments

  • Metzner, Mike sagt:

    Hallo , sehr gut dein Bericht über die Anfänge der Unterwasserfotografie.
    Ich habe mich an manchen stellen wiedergefunden und daraus gelernt.
    Kurz noch eine Frage, bei deinen Bildern zum Bericht, wie hast du den Hintergrund bearbeitet, ich sehe du hast da viele Konturen Retuschiert. Ich finde den Übergang sehr gelungen.
    Kannst du mir dazu einen Tip geben.
    Mit welchem Programm arbeitest du.

    • Liko sagt:

      Danke Mike,

      freut mich immer, wenn meine Texte ankommen und den richtigen Adressaten finden.
      Doch zu Deiner Frage. Ich arbeite ganz klassisch mit Photoshop. Retuschiert habe ich gerade am Anfang meiner photografischen Karriere noch eine Menge. Mittlerweile eher nicht mehr. Steht und fällt alles mit der richtigen Blende.
      Egal, in PS gibt es jedenfalls ein sehr geniales Tool, welches Du in den Filtern unter Noise und dann Dust and Scratches findest. Damit schlägst Du gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens wirst Du eventuell vorhandene Schwebeteilchen los, und zweitens verschwimmt der Hintergrund zu einem schönen Bokeh. Das Tool verwendest Du am besten in Verbindung mit dem sogenannten History Brush. So kannst Du den Effekt ganz gezielt auf die Bereiche anwenden, wo es nötig ist.
      Wenn Du mir und meiner Seite helfen willst, freue ich mich sehr über ein teilen dieses Artikels, oder noch besser einen Link auf einer anderen Seite.

      Liebe Grüße von Curacao,
      Liko

  • Theo Müllenberg sagt:

    Hallo Liko,
    ich möchte mich auf diesen Weg bei Dir melden. Ich habe die Schwimmkörper montiert, die Du mir besorgt hast. Zumindesten 2 Stück. Ich habe eine etwas andere Art der Montage gewählt ls Du. Die möchte ich Dir hier beschreiben, vielleicht muss Du ja noch mal einen Schwimmkörper montieren. Für die Montage habe ich neben dem Blitzarm und den Schwimmkörper folgendes benötigt: ein scharfes Messer, ein Verschlußstopfen, kochendes Wasser und etwas Fett. Mit dem Fett habe ich den Blitzarm an einer Seite dünn eingeschmiert, mit dem Messer habe ich an einer Seite der Bohrung des Schwimmkörpers die Kante stark gebrochen (2 mm x 45°) die andere Seite habe ich mit einem Stopfen verschlossen. In die verschlossene Bohrung habe ich kochendes Wasser geschüttet und 2 min. gewartet, dann habe ich mit relativ geringer Kraft den Blitzarm in die Bohrung gepresst.Der Blitzarm konnte einfach durch die Bohrung gedrückt werden. Achtung durch den Druck wird der Stopfen raus gepresst und das kochende Wasser tritt aus,Verbrühungsgefahr. Es war auf jeden Fall einfacher als die Bohrung mechanisch zu vergrößern.
    LG Theo

    • Liko sagt:

      Hey Theo,
      Das klingt doch mal interessant. Kannst Du mir vielleicht ein paar Bilder zu Deiner Methode schicken. Ich würde sie dann in den Artikel mit einbauen, bzw. sogar separat veröffentlichen.

      Liebe Grüße,
      Liko

  • Romeo sagt:

    Hallo Liko,
    großes Kompliment für deine tollen Unterwasserfotos! Wir sind ab nächster Woche mit unserer neuen Panasonic Unterwasserkamera in Thailand unterwegs und hoffen, dass wir nur annähernd so schöne Fotos hinbekommen, wie du sie hier zeigst 🙂
    Liebe Grüße!

    • Liko sagt:

      Hey Romeo,

      Vielen Dank. Lasst mich doch nach Eurer Reise wissen wie die Fotos geworden sind und inwiefern Euch mein Artikel geholfen hat, bzw. welche Punkte vielleicht noch etwas unklar sind.

      Viel Spaß in Thailand und immer dran denken, bleibt mit Eurer Kompaktkamera im Nahbereich und eher kleinen Motiven, Stichwort Nacktschnecken z.B.
      Liko

  • Elisa sagt:

    Sehr hilfeicher Artikel, vielen Dank!
    Ich habe mir eine Nikon Coolpix W300 gekauft, und werde versuchen, in drei Wochen in Ägypten deine Tipps anzuwenden 🙂
    Ich hoffe es kommt irgendwas akzeptables dabei raus!
    Liebe Grüße aus Berlin!

    • Liko sagt:

      Hallo Elisa,

      freut mich zu hören, dass Dir der Artikel gefällt. Hoffentlich haben die Tipps auch geholfen und Deine Bilder sind gut geworden.
      Vielleicht kannst Du mir ja ein paar zeigen?

      LG, Liko

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