Anzug Pinkler, oder warum Tauchen auf die Blase drückt

Pinkeln, oder nicht Pinkeln?!
Aber ist das wirklich die Frage? Wir kennen dieses Gefühl alle: halbe Strecke durch den Tauchgang und die Blase fängt an zu drücken. Gegen Ende des Tauchgangs wird es häufig zur Qual und es fängt an zu schmerzen. Es eskaliert geradezu. Das Hirn kennt nur noch einen Gedanken: “PISSEN JETZT! Mann, bist Du doof- mach doch einfach!”

Und ja, der Drang es einfach laufen zu lassen, ist verlockend. Lässt uns der Schmerz doch teils zu wilden Berserkern werden. Doch gibst Du nach, wirst Du wirklich zu einem, zumal geruchstechnisch.

Daher ist die Frage, ob man in seinen Anzug pinkelt, oder eben nicht, eigentlich beantwortet: NEIN, selbstverständlich nicht!
Der Grund ist ganz einfach. Der Gestank, den anzugpinkelnde Taucher zurück auf dem Boot verströmen ist schlichtweg Ekel erregend. Der erzielte Effekt ist exakt gegensätzlich zu einem Deo und zeigt sich meist deutlich in einem perfekten, menschenleeren Kreis um den Delinquenten. Dort sitzt er dann wie auf dem Präsentierteller, damit auch bestimmt jeder mitbekommt wer da wieder daneben getreten hat. Ergebnis: Soziale Selbstverstümmlung. Kein noch so weit offenes Sonnendeck, kein Regen, kein Wind, und nicht einmal Desinfektionsmittel werden dieses Gestankes Herr. Gebrandmarkt für ein Leben, als Anzugpinkler!

Doch was soll man denn tun, wenn der Druck übermenschliche Ausmaße annimmt? Und woher kommt diese ganze Sache überhaupt – wieso müssen wir nach dem Tauchen immer so dringend auf die Toilette?

Diese berühmte Phänomen hat sogar einen Namen. Der Gauer-Henry-Reflex wurde zu erst von Otto Gauer und James Paget Henry erklärt und lässt sich kurz auch mit: “Vorhof voll, Blase voll”, beschreiben.
Druckrezeptoren im Vorhof unseres Herzes kontrollieren unseren Blutdruck. Steigt dieser, sorgen wie dafür, dass die Nieren mehr Urin produzieren, um Wasser aus dem Blut zu ziehen und damit den Blutdruck wieder zu senken. Und exakt das, passiert beim Tauchen.

Während wir tauchen, wird der Teil unseres Blutes der normalerweise von der Gravitation in unseren Beinen gehalten wird, durch die Aufhebung selbiger und den Druck des Wasser im ganzen Körper verteilt. Dabei steigt auch der Blutdruck in besagten Vorhöfen, was dann die gesteigerte Pipi-Produktion anregt. Die Konsequenz ist der bestialisch, stinkende Anzug.
Gesteigert wird dieser Effekt durch enge Tauchanzüge die noch mehr Blut aus den Beinen und Armen zum Herzen pressen, sowie durch kaltes Wasser, durch dass sich die äußersten Gefäße verengen, um Wärmeverlust vorzubeugen.

Doch was können wir denn nun tun, wenn es doch soweit ist?
Erstaunlicherweise gibt es mehr Möglichkeiten als man denkt. Zunächst einmal die vielleicht offensichtlichste Möglichkeit, durchhalten und Zähne zusammen beißen. Das ist die Variante für harte Kerle, allerdings nicht immer möglich, besonders für die ältere Fraktion. An dieser Stelle sei jedoch erwähnt, dass das Alter keine Entschuldigung für “eklig-sein”, ist.
Eine weitere Möglichkeit ist es tatsächlich einfach laufen zu lassen und den Anzug im Anschluss sofort mit Wasser durchzuspülen. Also wirklich SOFORT – sprich am besten gleich den Reißverschluss aufziehen und noch während des Pinkelns alles mit viel Wasser verdünnen. Auch diese “Technik” lässt sich natürlich nicht immer realisieren, zumal in kaltem Wasser. Maßgeschneiderte Anzüge mit einem zusätzlichen Reißverschluss an der richtigen Stelle, sind eine großartige Alternative, die den Temperaturbereich dieser Option massiv ausdehnt.
Und die letzte Möglichkeit ist natürlich eine technische Lösung dieses Problems und kommt in Form eines Urinalkondoms. Ja, das Teil heißt wirklich so. Es handelt sich dabei um einen geschickte und dezente Lösung, damit Taucher nicht zum sozialen Monster und Außenseiter verkommt, während es gleichzeitig den sozialen Stand schützt. Perfekt!
Und zum Schluss, der wahrscheinlich beste Tipp aller Zeiten: Geht auf die Toilette, bevor Ihr Tauchen geht! Manchmal ist das Leben schon erstaunlich einfach.

Und an all diejenigen unter Euch da Draußen, die immer noch meinen “echte Taucher” müssten in ihren Anzug pinkeln, sei folgendes gesagt: Ihr seid stinkende, inkontinente, Weicheier. Holt Euch ein Kondom und hört auf unschuldige Taucher zu belästigen.

PS: Vor dem Tauchen kein Wasser zu trinken und dem Problem auf diese Weise Herr zu werden, ist keine Lösung, sondern einfach nur dumm. Wassermangel ist eine der Hauptursachen bei Dekommpressionsunfällen.

4 Comments

  • Diana sagt:

    Na suuuper- und der Tipp für die Meerjungfrau?

    • Liko sagt:

      Hi Diana, tut mir echt Leid, aber wie es sich momentan darstellt, gibt es zwar auch für Meerjungfrauen Kathetersysteme, aber die funktionieren leider nicht richtig.
      Da hilft nur Toilette vorher und/oder Frontreißverschluss, bzw. den Anzug im Wasser ausziehen.

  • Steffen sagt:

    Ich weiß nicht was ihr da vorher gegessen oder getrunken habt, aber Urin ist normalerweise steril und “stinkt” nicht, außer man hat eine Krankheit etc..

    • Liko sagt:

      Oder Du hast Spargel gegessen… aber was immer hilft, ist viel Trinken. Das ist gleichzeitig eine der effektivsten Maßnahmen zur Reduzierung des Risikos eines Dekompressionsunfalls. Also Leute, immer fleißig Wasser süffeln!

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