Unter Segeln von Raja Ampat nach Palau – Wie alles begann…

Our first sundown from the stern of Soggy Paws.
Our first sundown from the stern of Soggy Paws.

Noch 74% Akku und eine Stunde Internet übrig. Mit ein wenig Glück schaffe ich es noch diesen Post zu beenden und hochzuladen, bevor es los geht.

Was mir in den letzten Wochen wiederfahren ist, steht so sonst nur in kitschigen Abenteuerromanen und anderen unglaubwürdigen Quellen, und doch geht es jetzt tatsächlich los: In einer Stunde beginnt die Fahrt von einem Tauchparadies in das nächste Tauchparadies, von Raja Ampat nach Palau. In einem 44 Fuss Katamaran, 700 Seemeilen über den offenen Pazifik.

71% Akku. Meinem betagten ACER Travelmate macht die Luftfeuchtigkeit langsam mächtig zu schaffen. Er trohnt bereits auf einer Kühlunterlage mit zwei eingebauten Ventilatoren. Damit verdankt die alte Krücke meinem Bruder, der mir die Unterlage geschenkt hat, bestimmt zwei Lebensjahre – mit etwas Glück schafft er es noch bis über Palau hinaus. *fingers crossed*

69%. Meinen Laptop konnte ich nicht viel besser vorbereiten. Im Gegensatz dazu, gab es das Boot betreffend, einiges zu tun. Die Lager und Kammern der „Soggy Paws“ (deutsch: feuchte Pfoten) mussten mit allem befüllt werden, was sich ein Seemann so wünscht auf hoher See: Bier – für die Sundowner, Diesel – für windstille Tage, Korn Flakes und Bananen zum Frühstück, frisches Gemüse, Kekse und haufenweise anderen Kram den ich jetzt schon wieder vergessen habe, über den ich mich aber sehr freuen werde, wenn ihn Sherry aus den Tiefen der Lager hervor holt.

Market in Raja Ampat
Waiting in Sorong immigration office

64%. Sherry? Ja. Und Dave! Ihnen gehört die „Soggy Paws“. Sie sind bereits seit über 9 Jahren auf den Meeren unterwegs. Sie ist 60 und er 70, und beide einfach nur saucool. Sie ist Ingenieurin und Rescue Diver, und er ehemaliger Tauchoffizier der US Navy. Uns verbindet also mehr als nur die reine Liebe zu Wind und Wellen, sondern auch dem was sie an Schätzen unter ihnen verstecken und davon werden wir in den nächsten Tagen einiges zu Gesicht bekommen. Die Guten haben nämlich einen kleinen Kompressor und sechs Tanks mit an Bord. *freu*

60%. Aber eigentlich begann das ganze komplett anders und bereits vor zwei Wochen. David und Sherry lagen zu diesem Zeitpunkt in der Nähe meines Resorts vor Anker und tauchten mit uns. Tauchen in Raja Ampat ist allerdings noch einmal eine komplett andere Geschichte, die an gegebener Stelle genauer beschrieben wird. Lange Rede, kurzer Unsinn, wir hatten gemeinsam unterwasser eine geile Zeit, schossen unzählige Fotos von Nacktschnecken und anderem komischen Geviech, genossen einige Abendessen zusammen und waren eines Abends zu ihnen auf die „Soggy Paws“ eingeladen.
Was folgte war ein herrlich lauer Abend bei einigen Bier, „bootgemachtem“, salzigem Popkorn und ihren besten Segelabenteuergeschichten, denen ich andächtig lauschte. So kam ich unweigerlich ins Schwärmen und fragte, frei nach dem Motto: Dreist gewinnt, ob ich nicht mit ihnen nach Palau segeln könnte. Die Antwort kam so schnell wie simpel. Yeah, sure! Und schwupps war ich auf der Crewliste. Unglaublich. Was passierte da mit mir.

Making friends on the Sorong market is easy.

52%. Mittlerweile ist das Boot beladen und mit genügend Proviant versehen, um uns 3 Wochen lang gesund und munter zu halten. Doch vor das Anker lichten, hat Gott den Grenzerstempel gesetzt. Mit vor Aufregung flatterndem Herzen ging es somit gestern ein letztes Mal zu Bett. Würden wir diesen Stempel nicht bekommen, wäre alles Träumen umsonst und die Seifenblase geplatzt. Das konnte, nein das durfte nicht sein. Gerüchten zufolge war es nicht erlaubt Indonesien auf einem anderen Weg zu verlassen, als es man es erreicht hatte.

Zudem war ich aufgrund meiner Arbeit im Tauchresort mit einem Business-Visum im Land; ein für mich, die Lage zusätzlich verkomplizierender Punkt. Ja man bräuchte einen Fixer, der diese Aufgabe für einen übernimmt, die Beamten besticht und einen sauber und legal mit einem Stempel aus dem Land bringt. Einziger Nachteil, die Sache kostete 1 Million Rupien pro Nase. Ein lange gehegter und schon fast vergessen geglaubter Jugendtraum vorbei, wegen eines lausigen Stempels???

BUng, bUng, buNnG, bUNG und wir waren erlöst. Alle vier Pässe gestempelt und fertig zur Abfahrt. Alle Gerüchte reiner Blödsinn. Von jetzt an, hatten wir 24 Stunden, um Indonesien zu verlassen und Raja Ampat Lebe Wohl zu sagen.

Map of our route from Raja Ampat to Palau

45%. Glücklich und voller Vorfreude auf ein geniales Abenteuer, sitze ich jetzt in meiner Koje und schreibe Euch diese Zeilen. Von Sorong, der Hauptstadt Raja Ampats, geht es zunächst nach Batanta, einer weiteren Insel des Archipels. Hier möchte Dave die „Soggy Paws“ stranden und mit Hilfe der Flut aufbocken, um dann bei Ebbe einige Wartungsarbeiten an den Rümpfen vorzunehmen. Danach geht es östlich entlang der Küste Weigeos, einer der vier großen Inseln Raja Ampats, zu den Ayu Inseln. Dort zwei Nächte bleiben, hoffentlich tauchen, bestimmt etwas schnorcheln und Welt genießen, dann weiter in zwei Tagen und einer Nacht über den offenen Ozean nach Helen Reef. Diese winzige Insel gehört bereits zu Palau, liegt aber weit im Süden des Archipels. Gerade einmal 7 Schiffe im Jahr besuchen dieses weit abgelegene Atoll. Ich werde bestimmt ein Foto von unserem Eintrag im Gästebuch machen.

Auf Helen Reef wollen wir drei Tage bleiben. Mehr ist nicht erlaubt. Ich hoffe inständigst dort tauchen gehen zu können. Meine Kameraausrüstung ist vollständig mit an Bord, inklusive der zwei neuen INON Z-240 Blitze. Falls alles gelingt, folgen ausführliche Berichte, die ich hoffe während der Überfahrt zu schreiben und nach meiner Ankunft in Palau nach einander zu veröffentlichen.

39%. Drückt mir die Daumen, daß alles gelingt! Jetzt noch diesen Text auf Englisch übersetzen und die ganze Sache hochladen…

13%. Der Text ist oben.

7%. Der große Internetgott ist mir hold, die Bilder sind ebenfalls hochgeladen.

4%. Fertig editiert und ab dafür. Yes, viel Spaß Euch!

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