Software Review: ReSpeedr 1.0 – Zeitlupen Funktionalität

Zeitlupen- und Zeitraffereffekte werden immer beliebter in der heutigen Videokunst. Anbetracht der steigenden Verfügbarkeit der dafür notwendigen Programme, muss das niemanden verwundern. ReSpeedr v1.0 der deutschen Firma ProDAD geht hier einen Schritt weiter. Das kleine Programm enthält neben den Kernfunktionen zum Verlangsamen und Beschleunigen des Materials, Funkionen zur Verringerung des Rolling-Shutter-Effekts, sowie zum Stabilisieren der Aufnahmen.

Diese Rezension beschäftigt sich vor allem mit Respeedrs Zeitlupeneffekt, der in der Produktion des Videos “HypeTraX – The Darkside (Flow Box Remix)” verwendet wurde (siehe oben). Der Zeitraffereffekt wurde nicht getestet und die Videostabilisierung wurde bereits im Artikel über ProDADs ProDrenalin besprochen.

Beginnen wir mit einem Überblick der Oberfläche von ReSpeedr. Die Software wird bestimmt keinen Schönheitspreis gewinnen, aber es erfüllt seinen Zweck und ist schnell verständlich. Besonders letzteres erleichtert den Einstieg in das Programm erheblich, was dem anvisierten Zielpublikum von Amateurfilmern und Enthusiasten entgegen kommt. Sämtliche Hauptfunktionen finden sich im oberen Menü. Darunter findet sich das Hauptfenster, welches eine Vorschau des derzeit geladenen Videos zeigt. Rechts findet sich eine Liste aller geladenen Videos, während sich das eigentliche Zeitmanipulierungswerkzeug am unteren Rand befindet.

Eine grobe Einstellung kann aus einem Drop-down Menü gewählt werden. Wer es ganz genau möchte, kann die genaue, prozentuale veränderung auch direkt in das Feld tippen.

Falls man einmal die direkt die Gesamtlänge eines Clips verändern möchte, ist auch dies schnell erledigt.

Direkt unter dem Clip befindet sich die Zeitleiste des Clips. Diese erlaubt die Definition des zu exportierenden Clips (grüne Dreiecke) und die Markierung der zu manipulierenden Stellen (blaue Dreiecke). In jedem Clip können mehrere Stellen verändert werden.
Die Handhabung des Programms ist einfach und unkompliziert.

ReSpeedr’s größte Stärke allerdings liegt in den zwei unterschiedlichen Renderingmethoden. Im Programm selbst werden sie nur als niedirigere und höhere Qualität dargestellt. In Wirklichkeit handelt es sich aber um zwei völlig verschiedene Methoden. Das Frame-Blending, die vermeintlich schlechtere Qualität, wird schneller berechnet und macht ziemlich genau was der Name impliziert, es verlängert die Einzelaufnahmen und lässt sie ineinanderlaufen. Im Gegensatz dazu werden beim Optical-Flow, der höheren Qualität, offenbar komplette Einzelbilder zusätzlich generiert. Je nach bearbeitetem Material sehen die Resultate völlig verschieden aus. Im Musikvideo zum Hypetraxx Song wurde die Optical Flow Variante für den Sprung des Wanderers ins Wasser gewählt. Das Ergebnis war ein äußerst interessanter Morphing-Effekt des sich um den Wanderer schließenden Wassers. Natürlich ist ein solcher Effekt nicht immer gewollt, aber dafür gibt es dann Frame-Blending.
Es sind diese beiden unterschiedlichen Methoden, besonders natürlich der Optical-Flow, welche die Existenz dieses Programms rechtfertigen und als Konkurrenten neben vollwertige Schnittprogramme mit eingebauten Slow-Motion-Effekten stellen.

Schlussfolgerung:
Auch wenn die Optical-Flow Methode wirklich schöne Effekte erzeugt, rechtfertigt sie nicht den Preis für ein Programm mit derartig reduzierter Funktionalität. Das ist schlichtweg zu wenig.
Würde ProDAD allerdings die Funktionen von ReSpeedr in sein ProDrenalinpaket mit einbauen, hätten wir eine äußerst interessante Erweiterung dieses ohnehin schon interessanten Produkts. Würde zusätzlich dazu noch die bereits erwähnte, rudimentäre Schnittmöglichkeit geschaffen werden und eine limitierte Funktion zum Einblenden von Titeln, hätten wir ein äußerst nützliches Minischnittprogramm für Actionkameraclips.
Für kleine, touristische Betriebe wie zum Beispiel: Tauchschulen, Fahrradverleihe und Wassersportzentren mit hohem Aufkommen an selbst- und durch Gäste produziertem Material, wäre diese Software bestimmt sehr interessant. Schon alleine die Facebookseite unserer Tauchschule bekäme durch den Zeitgewinn sehr viel mehr eigene Clips.

Die ProDAD GmbH hat mir nur eine Lizenz zum Testen der Software zur Verfügung gestellt. Darüberhinaus fand keine weitere Bezahlung statt.

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