Abenteuer Gozo

Entspannt lehne ich mich im Flugzeugsitz zurück. Bei einem Blick auf die Wolken nehme ich einen Schluck „Kinnie- Malta´s Own Favourite Softdrink“.  Das jedenfalls behauptet die Werbung.
`…Bah! Widerlich!…`
Aber zumindest kann ich gedanklich einen Haken hinter:
`…Nationalgetränk probieren…`setzen.
`…Check…`.

Kaum dass wir auf Malta gelandet sind, werden wir samt Tauchgepäck in Minibusse gestopft. Bei 15 Tauchern verwandelt sich der Bus in eine rollende Sardinenbüchse. Um die letzte Fähre nach Gozo noch zu erreichen bleibt bleibt nicht mehr viel Zeit. Die Fahrer rasen durch die Dunkelheit…zum Glück schaukelt am Rückspiegel eine Abbildung der Mutter Gottes.

Masalforn

Unser Hotel „Calypso“ wurde nach einer Meernymphe der griechischen Mythologie benannt. In der Sage lebte sie auf einer unbewohnten Insel. Nicht nur das Hotel, sondern auch Gozo selbst wird häufig als die „Insel der Kalypso“ bezeichnet. Das Hotel, in Masalforn, steht direkt am Meer. Und obwohl Gozo ein unter Tauchern beliebtes Ziel ist, merken wir davon im Juni kaum etwas. Der Ort wirkt ruhig, fast unberührt vom Tourismus, als lebte Kalypso noch immer hier.

Beim Einchecken in der Tauchbasis werden wir vom „Nauticteam“ herzlich begrüßt. Wir können es gar nicht abwarten endlich abzutauchen. Denn wer das Mittelmeer liebt, kommt um Gozo nicht herum. Obgleich die Gewässer um die Insel stark überfischt sind und das Wetter oft rau ist, bietet Gozo Abenteuer und spektakuläre Tauchplätze.

Aber vor das Tauchen hat Neptun die Arbeit gesetzt. Also beladen wir gemeinsam die Jeeps und schaukeln über die Insel zum Tauchplatz „Mittelfinger“.

Tauchplatz "Mittelfinger"

Nebelschwaden ziehen durch die Salzfelder und die Wellen peitschen gegen die Felsen.

„Zum Einstieg springt ihr hier vom großen Stein runter, aber passt auf die Brandung auf.“

erklärt Frank, unser Guide. Wir schauen auf das tosende Wasser.

„Nach dem Tauchgang zieht ihr die Flossen im Wasser aus, lasst euch von der Welle erfassen und packt an der höchsten Stelle das Seil, das da hängt. Dann klettert ihr mit dessen Hilfe einfach hoch. Alles klar?“

Majestätisch ragt der Felsen aus der Tiefe. Zügig lassen wir uns auf 35m sinken und schrauben uns dann langsam um den Felsen herum wieder nach oben. Ein Makrelenschwarm zieht an uns vorbei. Selbst in der Tiefe ist das Wasser glasklar. Wir blicken sicherlich 50m in das Blau hinaus. Hier und da steht ein Barrakuda ruhig im Wasser.

einfach hochklettern...

Die „Dekobiere“, und noch einige mehr, trinken wir mit Frank und seiner Freundin im „Trafficlights“, einer alternativen Kneipe in Masalforn. Dort kennt man uns schon nach wenigen Tagen. Zur Begrüßung stellt der Wirt abendlich das Bier für unsere Truppe auf den Tresen.

Am folgenden Tag fahren wir zum „Blue Hole“. Fasziniert betrachte ich das „Azur Window“ , das mächtig über dem Tauchplatz thront. Plötzlich fühle ich mich ganz klein.

`…Eindeutig! Ein place to see, before you die…`  

Über diesen Gedanken verpasse ich beinahe das Briefing.

Der Einstieg erfolgt über einen vulkanartigen Krater mitten im Kalkstein. Langsam sinken wir nach unten. Die Sonnenstrahlen brechen sich im blauen Tunnel. Dann erblicken wir den Ausgang. Wir gleiten durch ihn hindurch ins offene Meer. Unter uns fällt eine Steilwand bis auf 60m hinab. In allen Felsspalten glitzert es und um mich herum sammeln sich die Atemblasen der anderen Taucher. Das leuchtende Blau, die strahlende Sonne und die Sichtweiten von 50m verbreiten eine magische Stimmung.

 

beladen-entladen-beladen-entladen...

Obwohl wir uns viel mehr auf das „Blue Hole“ gefreut hatten, ist es letztlich doch der Tauchplatz „Inland Sea“, der mich am meisten beeindruckt. Wir beginnen den Tauchgang in der flachen, vom Meerwasser gespeisten Bucht. Das warme, algig-grüne Wasser umgibt uns wie ein Sumpf und wir können kaum etwas sehen. Erst spät erkenne ich die Felswand vor mir. Wir tauchen daran entlang, bis wir zum Riss gelangen, der uns in den engen Tunnel führt. In völliger Dunkelheit tauchen wir stufenweise etwa 23m hinab. Über uns rauschen die Ausflugsboote. Es ist dunkel und laut. Nach ungefähr 50m sehe ich ein schwaches Licht, dass langsam intensiver wird. Der Ausgang zum Meer! Er ist gesäumt von mächtigen Felsen, die durch das blaue Licht mystisch schimmern. Als ich näher komme muss ich die Augen zusammenkneifen, so sehr blendet das intensive Licht. Ich verlasse den Tunnel und blicke hinunter. Unter mir fällt die Steilwand auf 60m ab. Das Wasser ist glasklar.

Inland Sea

Ferien in Gozo sind nicht komplett, ohne einen Besuch in den berühmten Höhlensystemen. Also fahren wir am letzten Tag mit dem Boot in Richtung „Comino”. Unser Ziel sind die „St. Marija Caves“. Das anfängergeeignete Höhlensystem ist nur 20m tief und eignet sich perfekt zum Abschluss unseres Urlaubes. Zugegeben, beim Abtauchen ist mir schon etwas mulmig. ‚Höhlensystem‘ ist eindeutig ne Ansage! Meine Bedenken verschwinden aber schon kurz nach dem eintauchen in die fantastische Welt der Grotten. Die meisten Gänge sind lichtdurchflutet und Frank weiß genau wo es lang geht. Innerhalb des Kamins gibt es einen Zugang zu einer trockenen Höhle, in der man theoretisch zu Fuss weiter könnte. Doch wir schwimmen weiter und genießen das helle Gestein und das glasklare Wasser.

Comino

Viel zu schnell ist unsere Zeit auf dieser urigen Insel vorüber. Über die Tauchgänge werden wir allerdings noch lange reden. Besonders die Ein- und Ausstiege haben uns einiges abverlangt, aber dank unserer super Betreuung durch Frank, und die professionelle Arbeit des Nauticteams haben wir uns immer wohl gefühlt. Die Tauchplätze die wir erkunden durften sind einzigartig,  und beeindruckend. Richtige „Gozonauten“ werden immer wieder nach Gozo zurückkommen.

Gozos Salzfelder

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