Zypern ertauchen: „The Caves“

Schwerfällig ruckelt der Geländewagen durch die felsige Landschaft. Die Sonne brennt und der rote Lehm Kap Grekos scheint zu glühen.
Vor uns liegt die stürmische Ostküste von Zypern. Soweit das Auge reicht tief blaues Meer und spitze Felsen. Die Fahrt war lang und erst durch das Wackeln des Wagens erwacht die müde Truppe hinter mir zu neuem Leben.

Endlich sind wir am Tauchplatz. Bevor wir uns fertig machen gebe ich das Briefing. Der Spot mit dem vielversprechenden Namen „Caves“ ist eigentlich für Anfänger geeignet, doch das raue Wetter macht den Ein-und Ausstieg kniffelig.

In voller Montur, beladen mit Lampen und Kameras klettern wir die Felsen hinunter zur Küste.
Auf einem etwa 2m auf 2m großen Plateau ziehen wir unsere Flossen an. Neben uns befinden sich drei Höhleneingänge im Boden. Sie geben der Plattform beinahe den Anschein eines Gesichts.

Bedrohlich schäumen die Wellen durch die Deckenlöcher der Höhle. Vorsichtig lasse ich mich durch die Öffnung gleiten. Mit angewinkelten Armen passt man gerade so hindurch. Unter mir erstreckt sich eine flache, enge Grotte. Maximal zwei Taucher haben darin Platz. Ich drücke mich an die Wand und warte auf meine Gäste. Einen nach dem anderen lotse ich zum Ausgang.

Vor uns erstreckt sich die felsige Mittelmeerlandschaft Zyperns. Die Sichtweite im kristallklaren Wasser reicht bis zu 50m. Die Sonne spiegelt sich an den glatten Steinen und sorgt für muntere Lichtspiele. Langsam schwimmen wir durch die Mondlandschaft. In einer Felsspalte entdecke ich ein Sepia Pärchen.

Nach einigen Minuten erreichen wir eine weiße Sandfläche. Auf etwa 12m Tiefe befindet sich der Eingang zu den ersten Tunneln im Gestein. Der schmale Swim-Through, mit Sandboden, eignet sich nur für erfahrene Taucher. Zu schlecht wird die Sicht, wenn Sediment aufgewirbelt wird.

Sepia officinalis REDONE
Mittelmeerlandschaft

Aber heute habe ich nur alte Hasen dabei. Ruhig und vorsichtig bewegen sie sich durch die Gänge. Während die letzten sich noch auf Fingerspitzen durch den Tunnel ziehen, zeige ich den anderen draußen eine Muräne. Ihre gelben Augen blitzen neugierig zwischen zwei Felsen hervor.

Dann geht es weiter in Richtung Haupthöhle.
Nach einigen Minuten tauche ich in eine felsige Senke. Und da, hinter einem imposanten Felsblock in der Mitte ist er: Der Eingang zur großen Grotte.

Doch bevor wir, hintereinander, in der Dunkelheit verschwinden, betrachten wir die vielen Tiere im Höhleneingang. Beilbauchfische, Soldatenfische und kleine, flotte Zackis tummeln sich in den düsteren Ecken.

Der schmale Eingang mag zunächst bedrohlich eng wirken, doch im Inneren eröffnet sich ein großzügiger, trichterförmiger Tunnel. Durch den steinigen Boden ist das Wasser ungetrübt und man kann problemlos bis zum Kamin in der Mitte sehen.
Mit unseren Lampen leuchten wir die Höhlendecke ab. Zwischen verspielt funkelnden Luftblasen entdecken wir Schwämme und Bewuchs in allen Farben.

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01-Mittelmeer-Koralle

Der imposante Felsen unter dem Kamin hält einen besonderen Schatz für uns bereit. Auf der dem Licht zugewandten Seite gibt es ein Feld gelb-oranger Nelkenkorallen zu entdecken!
Nach wenigen Minuten nähern wir uns leider schon wieder dem Ausgang. Während wir aus der Senke aufsteigen, blicken wir zurück zur Höhle.

Durch das poröse Gestein steigen unsere Luftblasen auf. Es sieht magisch aus. Wie Perlen in einem Sektglas finden sie ihren Weg, durch das blaue Wasser, zur Oberfläche.

Höhlendecke
...wie Perlen in einem Sektglas

Direkt neben der Senke befindet sich rechts auch schon die letzte Grotte. Sie verfügt über drei Ein-und Ausgänge zu einem dunklen Raum. Langsam tauchen wir hinein. Als wir mit unseren Lampen in die Dunkelheit leuchten entdecken wir ein dichtes Geflecht aus abertausenden weißen Kalkröhrenwürmern.

Beim Verlassen der Höhle zeigt mir der erste Gast die 80bar Grenze an. Es ist Zeit umzukehren. Im flachen Wasser tauchen wir zurück zum Einstieg, wobei wir von ein paar Flötenfischen eskortiert werden. Einen letzten Eindruck von der Höhlenlandschaft Kap Grekos gibt uns der Raum unter dem Einstiegsplateau. Dort wo der Tauchgang begonnen hat, findet er auch seinen Abschluss.

Ein verträumter Blick zu den Sonnenstrahlen, die über das dunkel blaue Meer funkeln. Die Gäste sind glücklich. Auch für mich waren die Caves, wie immer, ein Highlight.

Nelkenkoralle
Kalkroehrenwurm

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