Zwischen Vergangenheit und Zukunft: Zypern

Am östlichsten Punkt Europas, nur wenige km von der syrischen Küste entfernt befindet sich Zypern. Obwohl die Insel eine aufregende Geschichte hinter sich hat, ja sogar noch mitten drin steckt, wird sie durch den Pauschaltourismus weitestgehend auf Strandurlaub reduziert. Dabei wird sie häufig, völlig zu unrecht, als Top-Tauchdestination gehandelt. Die Enttäuschung der Tauchwütigen folgt dann meist schon kurz nach der Anreise.

In unserer “Instagram Foto- Serie Zypern” möchten wir euch daher verraten, wo ihr wirklich in Zypern abtauchen solltet! Aber euch auch nicht vorenthalten, wo ihr besser den Landweg wählt und euch die vielfältige Kultur der Insel trockenen Fusses anseht.

In den zwei Jahren, die wir auf Zypern verbracht haben durften wir vieles miterleben: Die Wirtschaftskrise (d.h. ein Land komplett ohne Bargeld!!!), die unerbittlich heiße, zypriotische Sonne, den Schnee im Troodos Gebirge… Und last but not least haben wir uns alles angesehen, was irgendwann mal jemand in einem Reiseführer erwähnt hat.

und haben viel gesehen

Wir möchten mit dem Gipfel des Troodos Gebirges beginnen. Der „Olympos“ ist mit 1952m der höchste Berg Zyperns. Das Massiv ist vulkanischen Ursprungs und im Gegensatz zum Rest der Insel bewaldet. Im Sommer läd das milde Klima zum Wandern ein und im Winter kann man dort sogar Skifahren.

Am Fusse des Troodos gibt es einige verträumte kleine Dörfer. Das vielleicht schönste ist Omodos, mit nur etwa 300 Einwohnern. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Neben der Heiligkreuz Klosterkirche, die man sich ansehen sollte, gibt es noch ein kleines Museum, das den Helden des Bürgerkrieges gewidmet ist. Während man durch die engen Straßen spaziert, wird man immer wieder von den „Locals“ in ihre Häuser eingeladen. Dort präsentieren sie stolz Fotografien von ihren Vorfahren und altes Mobiliar.

Wandern im Troodos Gebirge
idyllisches Omodos

Auf dem Weg Richtung Limassol lohnt sich einen Abstecher zu den Ruinen von „Kourion“. Von den Stufen des antiken Amphitheaters aus hat man einen herrlichen Ausblick über das Meer.

Limassol ist eine der größeren Städte Zyperns. Abends erwacht die Altstadt mit jeder Menge coolen Bars und Restaurants zum Leben.

Kourion
Altstadt Limassol

Für Paphos, weiter im Westen, sollte man etwas Zeit einplanen. In den Ruinen von Paphos, die 1980 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden, gibt es römische Gebäude, mit gut erhaltenen wertvollen Bodenmosaiken. Einige Reiseführer setzen für einen Besuch der Ruinen ganze sechs Stunden an. Doch selbst ich, als interessierte Historikerin, war nach 2,5 Stunden durch das Wesentliche durch. Ich empfehle die Ruinen abzukürzen und dafür das mittelalterliche Kastell im Hafen, sowie die Königsgräber zu besichtigen. Besonders die Überreste heidnischer Kulturen im touristischen Stadtkern haben mich beeindruckt. Ein Abstecher in die Altstadt lohnt sich, wie ich finde, allerdings nicht.

Während der Sommermonate bietet sich ein kurzer Stopp an „Aphrodites Birthplace“ an. Der Legende nach, wird man um zehn Jahre verjüngt, wenn man eine Runde um den berühmten Felsen schwimmt. Auch wenn das vielleicht nicht klappt, eignet sich der Platz zum Picknicken und entspannen.

Ausgrabungen Paphos
Heidnische Bräuche

In den Gewässern um Paphos wurden während der letzten Jahre mehrere Wracks versenkt. Betaucht haben wir diese jedoch leider nicht. Von anderen Tauchschulen weiß ich jedoch, dass die Tauchspots interessant sein sollen. Allerdings ist meistens mit hohem Wellengang zu rechnen.

Am nordwestlichsten Zipfel der Insel findet ihr die Bäder der Aphrodite. Der angebliche schönste Platz auf Zypern (das sagen jedenfalls die Locals) verbreitet wahrhaftig eine magische Stimmung. Leider waren mir nur knappe 10min träumerische Stille vergönnt, bevor der nächste Reisebus voll polnischer Touristen einfiel.

Govenor´s Beach
Aphrodites Bad

Im Norden ist die Grenze zum türkisch besetzten Teil Zyperns. Leider ist die Überfahrt mit einem Mietwagen aus versicherungstechnischen Gründen nicht möglich. Falls sich jedoch eine Chance  bietet, solltet ihr unbedingt den Norden ansehen.

Neben der geteilten Stadt Nikosia ist vor allem die Hafenstadt Kyrenia einen Besuch wert. Besonders die Altstadt und der alte venezianische Hafen mit seinen Holz- und Segelbooten verströmen einen ganz eigenen Charme.

Dazu ist die Unterwasserwelt Nordzyperns ein wahres Highlight für jeden Mittelmeertaucher. Durch die strikten Einschränkungen im Fischereibetrieb konnten sich die Bestände bereits sehr gut erholen. Den Taucher erwarten tiefe Spots mit dicken Zackis und reichlich Abwechslung. Auch aus ökologischer Sicht lohnt der Vergleich mit dem überfischten Süden.

Kyrenia
Kyrenia harbor

An der Ostküste Nordzyperns, in Famagusta, bekommt ihr Gelegenheit moderne Geschichte hautnah mitzuerleben. Durch den Tourismus erlebte die Stadt 1960 einen Boom. Am südlichen Stadtrand entstand das wichtigste Tourismuszentrum der Insel. Während der Invasion, 1974, besetzten die türkischen Streitkräfte Stadt. Der Stadtteil Varosha, das Zentrum des Tourismus, wurde zur militärischen Sperrzone erklärt und ist seitdem verwaist; die Atmosphäre am Strand ist gespenstig. Leerstehende Hotels, ein paar einsame Sonnenliegen. Auf jeden Fall ein „Place to see before you die“.

Voller Erwartungen haben wir uns den langen Weg zum östlichsten Zipfel der Insel zugemutet. Die Fahrt war monoton und endlos. Die Spitze Zyperns mag schön sein, doch unsere Erwartungen wurden nach mehrstündiger Fahrt enttäuscht.

gespenstische Stille
Ghost City

Auf dem Weg Richtung Süden kommen wir zum Naturschutzgebiet Kap Greko. Die Gegend wirkt durch ihre Vegetation fast wüstenartig, und das Meer setzt sich in einem tiefen, klaren Blau vom roten Sand der Küste ab. Neben wunderschöner Wanderwege ist das Gebiet besonders für seine Tauchplätze bekannt.

Unterwasser wird die typische Mittelmeertopographie durch große Felsen, Höhlen und tiefe Spalten repräsentiert. In Kap Greko sind einige Tauchplätze zu empfehlen, wie z.B. „Chapell“ und „Cyclops“. Zwischen den beiden Spots findet ihr übrigens die „Caves“. Dort laden einfache Grotten und Swim-Throughs auch unerfahrene Taucher in eine mystische Höhlenlandschaft ein.Uns hat dieser Tauchplatz so gut gefallen, dass wir sogar einen Film dort gedreht haben.

Nur wenige km hinter Kap Greko öffnen sich die Tore zur  Partyhölle. Besser bekannt als: „Agia Napa“, die Amüsiermeile Zyperns. Diese ist gleichzusetzen mit Malia, auf Kreta, oder der Playa de Palma auf Mallorca.

Höhlentauchen in Kap Greko
Natur im Kap Greko

Unsere Endstation ist der Süden der Insel, mit der Stadt Larnaka. Neben dem türkischen Kastell in der Innenstadt, lohnt sich ein Besuch in der „Kirche des heiligen Lazarus“.
Wirklich interessant wird Larnaka für uns jedoch erst unter Wasser. Die schwedische Fähre “Zenobia” sank 1980 nur 800m vor dem Hafen. Es ist das größte betauchbare Wrack im Mittelmeer und hat unserer Meinung nach einen eigenen Artikel verdient. (folgt)

Während unserer Zeit auf der Insel haben wir im nahegelegenen Alaminos gelebt. Die Gegend ist ländlich und entsprechend abgelegen. Die Küste ist es recht windig und bietet sich daher besonders zum Segeln und Surfen an.

Die Insel Zypern überzeugt durch ihre Vielseitigkeit. Neben unschlagbaren Sportangebot gibt es insbesondere historisch vieles zu entdecken. Möchte man die Insel erkunden, braucht man jedoch unbedingt einen Mietwagen. Die Wege sind ausgesprochen lang und das öffentliche Verkehrsnetz nur mangelhaft ausgebaut. Preislich ist die Insel eher im oberen Segment anzusiedeln.
Für einen Strandurlaub sollte man genau recherchieren. Die Strände der Touristenzentren sind leider völlig überfüllt.

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