Zweimal “Walhai to go” bitte!

…oder warum das mit der Bestellung so schwierig ist

Letzte Woche, lag ich an meinem freien Tag mit einem Buch am Pool, als mich ein Anruf von der Rezeption erreichte.
„Vor der 132 ist ein Hai, so groß wie ein Konferenztisch. Den sollt ihr bitte wegmachen. Die Gäste haben sich beschwert, das sei gefährlich!!!“

Keine Frage. Sofort schnappte ich meine Drachentöterstiefel, äh pardon, Haifängerflossen und lief in Richtung Wasserbungalows. Natürlich nicht, ohne vorher noch einmal zu kontrollieren, ob auch der Akku der Kamera voll war. Ein Hai, von der Größe eines Konferenztisches, im August, im Baa-Atoll, das konnte eigentlich nur:`…mein erster Walhai…`sein.

Auf dem Weg dorthin traf ich das Paar, das in sicherem Abstand zum Wasser auf Hilfe wartete.
Sie waren sichtlich erfreut mich zu sehen.
„Sind sie wegen dem Hai da?“
„Ja, genau“ antwortete ich aufgeregt. Ich hatte keine Lust auf eine längere Unterhaltung, ich wollte so schnell wie möglich ins Wasser.
„Das ging ja schnell. Gut, dass sich jemand darum kümmert“ meinte der Mann erleichtert.

Ganz offenbar zweifelten die beiden keinen Moment daran, dass es die 1,60m große Tauchlehrerin in Blümchenbikini und pinkfarbenen Flossen mit dem Monsterhai aufnehmen konnte. Todesmutig stürzte ich mich in die Fluten, das Paar ließ mich dabei nicht aus den Augen. So schnell es ging strampelte ich gegen die Strömung an und versuchte im planktonreichen Wasser Umrisse von benanntem Riesen zu erkennen.

Währenddessen malte ich mir schon aus, wie sich wohl das „Selfie“ von mir mit dem Walhai im Hintergrund als mein neues Facebook Profilpic machen würde. `…Hoffentlich klappt ein Shot, von mir direkt vor seinem Gesicht. Ich kommentier es dann mit „my new dive buddy“ oder so und krieg mindestens 8000 likes…`

Doch zu früh gefreut, weit und breit war nichts größeres als ein Papageifisch zu sehen. Enttäuscht schnorchelte ich noch eine Runde und schwamm zurück zum Strand.
„Haben sie ihn nicht gefunden?“ fragte das Paar besorgt.
„Nee“, gab ich gefrustet zurück, und verstaute die Kamera im Beutel.
„Wie sollen wir denn jetzt hier baden gehen, wenn der da frei rumschwimmt und jederzeit wiederkommen könnte?“ fragten die beiden verärgert. 
Ich zuckte die Schultern `…was darauf antworten?!…`

„So geht das nicht. Ihr müsstet das Gebiet eingrenzen. Und einen Schutz davor machen. Da gehen schließlich auch Kinder schwimmen!“ fügte der Gast verärgert hinzu.

Liebe Tauchsportfreunde und Inselbesucher, glaubt mir, es ist etwa genauso realistisch den „Killerhai“ aus dem Schwimmerbereich zu „entfernen“, wie Mantas zum Tauchspot zu bestellen.
Wir würden gerne alles was ihr euch wünscht, und all das was wir selbst so sehen wollen, einfach ordern. In einer perfekten Urlaubswelt würde es dann wahrscheinlich so klingen:
„Willkommen bei Sea Explorer Dive Center. Ihre Bestellung bitte?!“
„Einmal Manta schwarz-weiß, ein Riff voller Weichkorallen, bunt, wenig Strömung und eine klare Sicht, bitte“
„Zum hier tauchen, oder für später aufs Boot?“
„zum hier tauchen, bitte“
„alles klar, wir schicken alles ins Hausriff!“

Aber so läuft es in der Natur eben nicht. Wir geben weder vorweg telefonisch eine Manta-Garantie, noch können wir „versprechen“, dass kein Steinfisch in der Lagune liegt.

So wie neulich, da polterte ein Gast ins Tauchcenter. Die Maske wie eine Sonnenbrille oben auf dem Kopf, der Schnorchel baumelte vor seinem Gesicht.
„Wisst ihr eigentlich, dass ihr `nen Feuerfisch da im Hausriff habt?“ platzte er heraus.
„Was echt?!“ antwortete mein Kollege grinsend.
„Ja! Und wisst ihr überhaupt, dass der giftig ist?!“ fügte er aufgeregt hinzu.
„Den müsst ihr wegmachen!“
„Tja, der gehört aber dahin. Das ist sein Lebensraum“ versuchte mein Kollege beschwichtigend zu vermitteln.
Der Gast hielt inne und überlegte. „Dann müsst ihr ihn wenigstens markieren!“

`…Und dabei haben wir ihn doch schon extra rot-weiß angemalt. Reicht das etwa nicht?…`

Wir wollen nicht ungerecht sein. Die meisten Menschen, die uns hier besuchen, sind gut über die Unterwasserwelt informiert und interessieren sich sowohl für die marine Tiere, als auch für den aktiven Schutz unserer Meere.

Doch ab und zu, treffen wir auch den gemeinen „Premium-Urlauber“. Der nur deshalb auf die Maldiven fliegt, weil es gerade „in“ ist. Und an seinem ersten Tag sichtlich irritiert vor unseren Kolleginnen von der Guest Relation steht, und fragt:
„Geht das Wasser eigentlich um die ganze Insel?“
Die nächste Ernüchterung folgt, wenn er, nachdem er sich lautstark über unsere Preise aufgeregt hat, nach 15min wieder vor dem Counter des Tauchcenters steht, mit der Erkenntnis:
„Ihr seid die einzigen hier, oder?“

Ja, das Meer zieht sich um die ganze Insel, die Malediven bestehen zu 99% aus Wasser, im Hausriff haben wir nicht nur Feuerfische, sondern auch Steinfische. Ja, und sogar Haie und Mantas schwimmen mal vorbei. Alles kann, nichts muss.

Wer darauf Lust hat, sollte unbedingt hier her kommen und einige der genialsten Tauchgänge der Welt erleben. Die winzigen und die gigantischen Meeresbewohner in ihrem Lebensraum bestaunen und abends beim Sonnenuntergang mit den Füssen im Sand spielen. Nur die Highspeed Internetleitung muss zu Hause bleiben.

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