Cleaning Day @ Hanifaru Bay

Es war ein Tag harter Arbeit und voller Freude. Die Stimmung war ausgelassen, als sich alle Freiwilligen gegen 12 Uhr auf Hanifaru zum gegenseitigen Kennenlernen trafen. Die Resorts hatten ein Picknick auf der Insel organisiert, es wurden Hände geschüttelt, Gespräche geführt, neue Freundschaften geschlossen und rumgealbert. Es war ein geradezu magische Stimmung zwischen Menschen, gleich welcher Nationalität und Kultur, alle waren da um etwas Gutes zu tun. Trotz anschließendem Sonnenstich, heftigem Sonnenbrand, der Begegnung mit einem potentiell tödlichen Seeigel, und Schwielen an den Fingern war es ein großartiger Tag! Das Biosphärenreservat Hanifaru Bay befindet sich neben der unbewohnten Insel Hanifaru im Baa Atoll im Norden der Malediven. Obwohl sie kaum größer ist als ein Fussballfeld, erreichte die kleine Bucht in den letzten Jahren einen weltweiten Bekanntheitsgrad. In der Saison von Juni-Oktober sammeln sich durch den Westmonsun große Mengen an Plankton in der trichterförmigen Bucht an, was hunderte Mantas und zahlreiche Walhaie anlockt.
Dieses Naturereignis hat in den letzten Jahren schon Sichtungen von über 200 Mantas und 20 Walhaien gleichzeitig möglich gemacht. Hanifaru Bay ist somit nicht nur für Taucher und Schnorchler, sondern auch für die Wissenschaftzu einem der weltweit wichtigsten Plätze in der Mantasichtung geworden. Bisher sind der Forschung lediglich zwei Manta Spezies bekannt, der Ozeanische Riesenmanta (Manta birostris) und der Riff Manta (Manta alfredi). Beide gehören zur Unterfamilie der Teufelsrochen. In der Bucht im Baa Atoll, trifft man auf den Riff Manta, der mit seiner Maximallänge von bis zu 5m deutlich kleiner ist als der Ozeanische. Wusstet ihr eigentlich, dass diese Riesen, obwohl sie zur Ordnung der Stechrochen, gehören keinen Stachel haben? Sie sind trotz ihrer beeindruckenden Größe völlig harmlos und friedlich.

Guy Stevens, der Gründer von „Mantatrust“, brachte 2010 die National Geographic ins Baa Atoll, welche anschließend verschiedene Fotoreihen und Dokumentarfilme zur Hanifaru Bay veröffentlichte. Daraufhin steigerte sich der Bekanntheitsgrad der Bucht enorm, was eine Überflut an Touristen in den folgenden Monaten zur Folge hatte. Im Herbst 2011 waren leider alle Besuche in Hanifaru Bay erfolglos. In der gesamten Zeit von Juni-November ließen sich nur wenige Male größere Gruppen Mantas sehen.
Ob die Tiere sich durch die vielen Safariboote gestört fühlten und deshalb wegblieben, oder ob lediglich die Strömung nicht aus der richtigen Richtung kam, ist nach wie vor ungeklärt. Dennoch traten Maßnahmen zum Schutz des Gebietes in Kraft, unter anderem die Anerkennung als UNESCO Biosphärenreservat im Jahr 2012.
Ab diesem Zeitpunkt wurde der Zugang zur Bucht deutlich schwieriger, das Tauchen wurde verboten, die Besucherzahlen massiv beschränkt und zur Kontrolle wurde ein Team von Biosphären Rangern eingesetzt.

Nun steht die Mantasaion wieder vor der Tür und daher trafen sich am zweiten Wochenende im Mai 60 Freiwillige, aus insgesamt 5 Resorts, zusammen mit den Biosphären Rangern und Locals, von den nahegelegenen Inseln, auf Hanifaru zum Clean-up Day. Auf dem Programm standen das Reinigen der Insel, was die Locals übernahmen. Innerhalb eines Tages füllten sie über 50 große Müllsäcke, welche von den anwesenden Resorts abtransportiert wurden.
Die Resortmitarbeiter übernahmen die taucherischen Aufgaben. Dies bedeutete in großen Gruppen unter Wasser aufzuräumen. Eine letzte kleine Gruppe, zu der auch Liko und ich gehörten wurden dafür eingesetzt einen „Bootskanal“ im Eingang der Bucht in das Riff zu bauen. Doch was kann man sich darunter vorstellen? Ähnlich wie bei „Schnorchelkanälen“ werden auch „Bootskanäle“ gebaut, indem man eine Schneise ins Riffdach schlägt. Die Korallen werden mit Hilfe von Werkzeugen gelöst und an einer anderen Stelle wieder angesiedelt. Dadurch entsteht ein korallenfreier Kanal, durch den die Boote sicher fahren können. Von oben wird dieser durch Bojen an beiden Seiten des Eingangs markiert. Aber welche Funktion hat dieses grausame Eingreifen ins Riff? Verständlicherweise bluteten uns die Herzen, als wir gewaltsam ganze Korallenblöcke versetzen mussten.
Der Sinn dieser Kanäle ist jedoch einfach: indem man den Booten einen sicheren Ein- und Ausgang zum Passieren schafft, verhindert man, dass sie über das gesamte Riff fahren und täglich Schäden anrichten.
Abends wurden wir und die anderen, die bis zuletzt gearbeitet hatten, vom Team des „Four Seasons“, zurückgefahren. An Deck des Dhonis wurden wir mit einem atemberaubenden Sonnenuntergang belohnt.

Ein toller Tag ging zu Ende. Danke an alle, die dabei waren….bis nächstes Jahr wieder, in Hanifaru Bay!

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